Wie geht es weiter mit der Lebens­versicherung?


Die klassische Lebensversicherung scheint ein Auslaufmodell zu sein. Auf dem deutschen Markt sind eindeutig Run-off-Bestrebungen vieler Versicherer zu erkennen. Hat die Lebensversicherung also keine Zukunft mehr?

Viel beachtet wurde vor wenigen Wochen der jährliche Bericht der Ratingagentur Assekurata. Demnach haben von 46 untersuchten Unternehmen nur noch 21 klassische Lebens- und Rentenversicherungsverträge im Angebot. Das ehemalige Lieblingskind der Versicherten und Makler steckt ganz augenscheinlich in der Krise.

Die Zeit der Garantien ist vorbei 

Die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten gehören schon zu lange zur Realität von (institutionellen) Anlegern, um noch von einer „Phase“ zu sprechen. Bekanntlich sorgt die einstmals gegenüber den Versicherten abgegebene Garantieverzinsung bei Altverträgen bei Versicherern für eine finanzielle Schieflage. Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds blieb den Gesellschaften nichts anderes übrig, als den sogenannten Garantiezins zu senken, der seit Anfang des Jahres bei 0,25 Prozent liegt. Das ist zwar mehr, als in Zeiten von Verwahrentgelten bei den Banken zu holen ist. Aber richtig attraktiv ist das nicht. Die Zeit üppiger garantierter Erträge und Renditen, die die Lebensversicherung über Jahrzehnte zu einem Baustein der Altersvorsorge vieler Menschen machte, ist vorbei.

Die Kundschaft orientiert sich um

Als Auslaufmodell will GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen die Lebensversicherung dennoch nicht bezeichnen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ räumt er allerdings ein, dass die klassische Lebensversicherung mit garantierten Leistungen auf dem Rückzug sei. Dafür seien fondsgebundene oder flexible Lebensversicherungen auf dem Vormarsch. Die Lebensversicherung seien ein „ganz stabiler und beständiger Pfeiler der Ersparnisbildung in Deutschland“.

Die Versicherungen, die weiterhin Lebensversicherungen im Portfolio haben, werben mit den am Kapitalmarkt möglichen höheren Renditen ihrer Produkte. Investitionen in Aktien, Fonds und ETF als Elemente der Vermögensbildung und Altersvorsorge besetzen allerdings viele andere Player. Neben den Banken als traditionelle Wettbewerber sind es sogenannte Fintechs, die hier einen Weg zu den Kunden suchen und ohne Zweifel gerade bei jüngeren Zielgruppen Erfolg damit haben.

Die Start-ups halten einige Trümpfe in der Hand: So setzen sie in erster Linie auf das Smartphone als Vertriebs- und Kommunikationsinstrument. Dank vollständig digitalisierter Prozesse genügt die Installation einer App, um binnen weniger Minuten ein Konto zu eröffnen. Dabei sind KYC- und AML-Prozesse ebenfalls digitalisiert, somit vollzieht sich das Onboarding dieser Kundinnen und Kunden ohne Hürden.

Ohne Zweifel profitieren die Fintechs auch davon, dass sie die Sprache ihrer Zielgruppen sprechen. Sie müssen gar nicht erst mit „verstaubten“ Begriffen wie „Lebensversicherung“ oder „Garantiesummen“ operieren. Stattdessen stellen sie die Chancen in den Vordergrund und betonen die Einfachheit der regelmäßigen Anlagen, etwa in das boomende Segment der ETF. Dazu kommen dann noch niedrige Hürden.

Klassische Sparpläne sind häufig bereits ab 1 Euro möglich, wie sinnvoll oder nicht das wirtschaftlich auch sein mag.

Oder die Vorsorgekomponente wird direkt in ein anderes Produkt eingebettet. So existieren auch Angebote, die die Zahlungen via Kreditkarte automatisch aufrunden, um den Differenzbetrag in ETF zu investieren. Die Altersvorsorge verschwindet so in einem anderen Leistungspaket. Einmal mehr geht es also um nicht weniger als den Kundenzugang.

Chancen aus digitalen Plattformen und Vertriebsmodellen sichern
 

Um im Segment der Lebensversicherung auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen die Versicherer zwei große Herausforderungen lösen. Die Kosten müssen weiter sinken, das gilt gerade auch im Vertrieb. Damit verknüpft ist die Frage, wie die Produkte kosteneffizient, also möglich auf digitalen Wegen, zu den Kunden gelangen.

Es ist unübersehbar, dass sich viele Fintechs als zentrale Plattform rund um die Finanzen der Nutzerinnen und Nutzer positionieren. Ein übergreifendes Kontomodell für Transaktionen, Anlageoptionen und die Einbindung von Kryptowährungen und Assets: Die App wird zum Dreh- und Angelpunkt der persönlichen Finanzen. Und dank der Nutzung der PSD2-Schnittstellen können auch weitere Bankverbindungen eingebunden werden. Die App wird zum persönlichen Finanzplaner – hier ist der Aspekt der Vorsorge oft noch schwach besetzt.

Eine Chance für Versicherer. Da sich insbesondere Banken gegenüber den Fintechs behaupten müssen, haben sie erkannt, dass sie aktiver werden müssen. Und so erlebt das Modell der Bancassurance wieder Auftrieb. Es spricht aber auch nichts dagegen, dass die Versicherungen selbst übergreifende Plattformen aufbauen, um hier an den Kapitalmarkt gebundene Produkte zu vertreiben. In diese Richtung geht etwa die Strategie der Allianz.

Der Kampf um den (digitalen) Kundenzugang ist noch nicht entschieden. Mit Produkten, die Chancen auf Renditen eröffnen, geringeren Vertriebskosten und einer digitalen Plattform respektive digitalen Vertriebskanälen dürfte eine modernisierte Form der Lebensversicherung auch in Zukunft erfolgreich sein.

Lesen Sie hier einen weiteren Blogbeitrag über die Herausforderungen, vor denen Lebensversicherungen stehen.

Sie möchten erfahren, welche Lösungen wir für die Modernisierung der Lebensversicherungen anbieten? Dann wenden Sie sich gerne an unseren Experten Karsten Schmitt, Head of Business Development.

 

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